Spirituelles Wissen, geistiges Eigentum und weltliches Hab und Gut

Artikel

 

 

Zum Sinn von Lieferbedingungen, Beratungsverträgen und Designvereinbarungen

Von Anette Oberhauser, Rechtsanwältin

 

I. Überblick: Was sind Verträge

In der materiellen Welt sind wir von Verträgen umgeben. Wir vereinbaren Tag täglich etwas, oft sogar mit Verhandlungen, ohne es zu bemerken. Schon der tägliche Gang zum Bäcker endet regelmäßig mit einem Vertragsabschluß, nämlich dem Kauf von Backwaren. Auch das ist ein Vertrag, der genauso rechtsverbindlich ist wie die professionell ausgefertigte Urkunde. Die landläufige Meinung, Verträge seien "etwas Schriftliches" ist daher falsch. Der vorliegende Beitrag behandelt daher die Frage, wann es sinnvoll ist einen Vertrag schriftlich zu fixieren und wann eine mündliche Vereinbarung genau die gleiche Wirkung entfaltet. Für die Beantwortung dieser Frage ist es auch entscheidend, dass zwischen dem Brötchenkauf und der Feng Shui- und Geomantieberatung ein gewichtiger Unterschied besteht: Der Bäcker verkauft etwas sichtbares, das sich zumindest für die Geschmacksnerven unmittelbar manifestiert, und zwar in Form eines Brötchens. Feng Shui Berater hingegen "verkaufen" - und hierin sind sie den Anwälten vergleichbar - etwas Immaterielles: Sie vermitteln spirituelles Wissen und besondere Qualifikation durch Rat und Auskunft. Sie erbringen eine qualitativ hoch stehende Dienstleistung aufgrund einer anspruchsvollen Ausbildung in einer immer komplexer werdenden Welt. Feng Shui Berater unternehmen alles, damit sich spirituelles Wissen im Alltag ihrer Klienten manifestieren und integrieren kann. Selbst wenn diese Manifestation nicht eintreten sollte, hat man dennoch qualifiziertes Wissen und Engagement eingesetzt und hätte damit Anspruch auf ein Beratungshonorar.

 

II. Einblick: Wozu Verträge?

... hätte deshalb, weil nicht immer transparente und klare Absprachen getroffen wurden, die bei Meinungsverschiedenheiten die Verhältnisse geklärt hätten. Oft gönnen sich Feng Shui Berater die Transparenz und Klarheit, die sie ihren Kunden angedeihen lassen, nicht für sich selbst. Qualifizierte Verträge - vielleicht sogar mit anwaltlicher Hilfe entworfen - sind ein möglicher Weg zu dieser Klarheit. Sie dokumentieren den Verhandlungsstand zwischen den Beteiligten, meist Kunde und Berater: Sie beantworten die Frage, wer was wann gesagt hat. Das Phänomen "so hab' ich das aber nicht gemeint" wird minimiert. Verträge sind eine besonders strukturierte Art und Weise, sich auf dieselbe Wahrnehmungs- und Kommunikationsebene zu einigen. Verträge schaffen - so verstanden - eine Kultur des miteinander Redens und stellen sicher, dass die Beteiligten von derselben Sache sprechen und bei Verhandlungssituationen im Konsens das gleiche oder zumindest ähnliches wahrnehmen. So verstanden sind Verträge eine Art Kommunikationsprotokoll über Rechte und Pflichten, die mit dem Weltbild der Beteiligten kompatibel sind und verbindlich vereinbart wurden.

 

III. Durchblick: Die Idee erden

Dem mag man nun entgegenhalten, dass spirituelles Wissen aufgrund seiner Einbindung in universelle Gesetze stets für den entsprechenden Ausgleich energetischen Aufwands sorgt - es muss ja nicht notwendigerweise durch einen bestimmten Kunden geschehen. Der säumige Kunde bleibe zumindest in energetischer Verbindung mit dem Berater und werde daher schon aus diesem Grund für seine Verfehlung vom Universum nicht mit Geschenken überhäuft. Nach dem Motto: Wenn jemand nicht bezahlt, winkt schon der nächste Großauftrag. Grundsätzlich (und das heißt, es gibt Ausnahmen!) ist diese Auffassung auch aus Anwaltssicht zu begrüßen: Auch Anwälte arbeiten entgegen einem landläufigen Klischee nicht nur mit Konfrontation und Abgrenzung, sondern oft mit so genannten "Sonderverbindungen". Nahezu alle Verträge stellen eine solche Sonderverbindung her und verlangen von den Beteiligten eine gewisse Verantwortung für ihr Tun und ihre Zusagen. Mit anderen Worten: Der Vertrag baut entweder eine Bindungsenergie auf oder ist irdische Manifestationsform einer bereitc bestehenden Bindung. Daher sind Verträge ein gutes Mittel, universelle Gesetze für unternehmerische Verantwortung im Alltag erfahrbar zu machen. Nicht immer begegnet nämlich ein Berater Menschen, die von sich aus diese Verantwortung auch im spirituellen Sinne übernehmen möchten.

Also: Wer die Rechtsordnung nutzt, um mit sich und anderen in der Klarheit zu bleiben, kann auch beim Universum präziser bestellen und Wünsche deutlicher formulieren. Die Rechtsordnung ist auch Verhandlungshilfe, Ideen-Gestaltung, Machbarkeits-Barometer, pragmatische Hilfestellung bei (beruflichen) Veränderungen und Schutzraum für verhandlungsschwächere Beteiligte.

 

IV. Weitblick: Bestimmte Vertragstypen erkennen

Hat man nun als Berater für sich nach dem oben gesagten geklärt, ob man mit Verträgen oder zumindest mit der schriftlichen Protokollierung von Kundengesprächen arbeiten möchte und mit "ja" geantwortet, folgt als nächster Schritt zu Überlegen, welche Vertrags-Sorte die richtige sein könnte. Rechtlich betrachtet, ist nämlich nicht jede Feng Shui Beratung gleich. Zu unterschiedlich sind die Berufsbilder, die mit Feng Shui arbeiten. Der Kollegenkreis der Feng Shui Berater enthält heilkundige Berufsgruppen, Architekten, Innenarchitekten, Designer, Künstler und Publizisten, beratende Berufe aller Art (Astrologen, Unternehmensberater, Lebensberatung) für die Feng Shui ein Beratungsaspekt von vielen ist.

Also: So unterschiedlich wie die Berufe sind auch die Vereinbarungen, die getroffen werden.

Checkliste: Brauche ich Lieferbedingungen?

  • Bestelle ich für meine Klienten zusätzlich zur Beratung auch Feng Shui Artikel und verkaufe sie?
  • Ist das Bereitstellen von Artikeln für mich untergeordneter Service zur Beratung oder möchte ich die Artikel zusätzlich vergütet bekommen?
  • Habe ich auch Geschäftskunden, die selbst mit ganzheitlichen Produkten handeln?
  • Liefere ich auch ins EU-Ausland?
  • Kann es oft passieren, dass meine Kunden selbst mit Lieferbedingungen arbeiten?
  • Wie will ich gegenüber meinem Kunden auftreten, wenn ein Artikel einmal ausverkauft oder schadhaft sein sollte?
  • Für welchen Zeitraum möchte ich mich binden, sollte ich einmal nicht liefern können?
  • Bin ich bereit, vorab zu liefern oder dass der Kunde bezahlt hat?
  • Verkaufe ich auch urheberrechtlich geschützte Artikel (CD's mit selbstkomponierter Musik - "Feng Shui durch Klang)?

Sollten fünf dieser Punkte mit "ja" beantwortet werden, bzw. kommt eine Vorablieferung nicht in Betracht und ist eine Vertragsbindung bei Verzögerungen unerwünscht, sind Lieferbedingungen sinnvoll. Wird nämlich nichts Ausdrückliches vereinbart, gilt bei Meinungsverschiedenheiten zu deren Lösung das Gesetz, das allenfalls Mindeststandard ist und im Zweifel den Kunden stärker schützt, als den Berater. Zu beachten ist hier Allerdings, dass Lieferbedingungen sich an den Vorschriften über allgemeine Geschäftbedingungen messen lassen müssen. Ein bißchen Gesetz muss hier also sein....

Checkliste: Brauche ich einen schriftlichen Beratungsvertrag?

  • Habe ich Großkunden, deren Projekte sich länger hinziehen werden?
  • Arbeite ich häufig mit anderen Berufsgruppen zusammen?
  • Habe ich Kunden, die sich ungern auf Verbindlichkeit einlassen und denen strukturelles Denken schwer fällt?
  • Habe ich Kunden die immer wieder Änderungen meiner Entwürfe fordern?
  • Möchte ich gerade Stehen, wenn der Erfolg nicht eintritt, den der Kunde sich erhofft hat?
  • Welche Leistungen sind im Preis inbegriffen, und welche nicht?

Sollte die Hälfte dieser Punkte zutreffen und auch eine Haftung für die Beratung unerwünscht sein, sind Beratungsverträge sinnvoll. Unbedingt zu warnen ist dann auch vor Pauschalvereinbarungen und Festpreisen, die selbstverständlich rechtlich zulässig sind, aber den Berater in die Gefahr bringen, sich viel Arbeit für wenig Geld aufzuhalsen.

Vorsicht: Wenn man schriftliche Gutachten und Horoskope erstellt, wäre es gut, vertraglich zu vereinbaren, dass diese "nur untergeordnete" (Formulierungsvorschlag für die Vertragsklausel, keine Abwertung der Gutachtenleistung!) Nebenleistung von Rat und Auskunft sind, nicht ein eigenständiges Produkt. Sonst bringt man sich in die Gefahr, plötzlich für einen Erfolg - nämlich den Gutachtentext und Gutachteninhalt - zu haften: Eine Gutachten Erstellung ist nämlich schon ein Werkvertrag, nicht mehr Dienstleistung, bei der man "nur" dafür haftet, einen Rat nach den Regeln der Kunst" nach beten Kräften zu erteilen.

Checkliste: Brauche ich eine Designvereinbarung?

  • Entwerfe ich Feng Shui Artikel selbst? (Kunstwerke, Energiebilder, Mandalas)
  • Gestalte ich ein ganzes Wohnambiente nach Gesichtspunkten des Feng Shui selbst? (Wohnwände, Sitzgarnituren, Bäder)
  • Entwerfe ich Einrichtungsgegenstände, die nicht Möbel sind? (Vorhangstoffe, Dekomuster, Lampen, Beleuchtungsobjekte und Lichteffekte, Zimmerbrunnen, Blumenvasen, Übertöpfe, Raumdüfte,...)
  • Programmiere ich Websites nach den Grundsätzen des Feng Shui? (Auch das gibt es!)
  • Habe ich ein eigenes Ausbildungs- und Beratungskonzept entworfen, das meine Erfahrungen widerspiegelt und einen bestimmten Kundenkreis anspricht?

Sollte einer dieser Punkte zutreffen, ist eine Designvereinbarung sinnvoll. Nicht immer lohnt es sich, den Aufwand eines Patentschutzes anzustreben, gerade dann, wenn es sich um Einzelstücke handelt, und nicht um beliebig reproduzierbare Artikel. Zudem ist nicht alles patentierbar: Firmennamen und Begriffe, die dem allgemeinen Sprachgebrauch angehören, sowie die archetypischen Symbole der Menschheit (Yin und Yang, Kreise, Kreuze) sind ohnehin nicht schützbar. Man kann "nur" einen bestimmten Schriftzug und ein ganz bestimmtes Logo schützen lassen, nicht aber andere von der Verwendung eines ähnlichen Symbols abhalten. Ausnahme: Das Symbol ist dem eigenen zum Verwechseln ähnlich oder hat markenrechtliche Kennzeichnungskraft. Außerdem sind nur technische Verfahren, nicht aber Beratungskonzepte vollständig patentierbar. Ein guter Designvertrag bietet hier besseren Urheberschutz an als das Gesetz.

 

V. Ausblick:

Die Verhandlungskraft stärken Recht und Ganzheitlichkeit sind also keine unvereinbaren Gegensätze. Mit einer Portion Verhandlungsgeschick tut man sich etwas Gutes: nämlich die eigene Professionalität und Verhandlungsposition stärken und nach außen dokumentieren. Als Anwalt in eigener Sache...

 

Über die Autorin: Anette Oberhauser, Rechtsanwältin, ist besonders mit der Rechtslage der Heilberufe und Gesundheits-Dienstleister vertraut. Sie ist in Nürnberg (0911/4624966) in eigener Kanzlei, aber auch bundesweit als Rechtsanwältin und Mediatorin tätig.